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Medientage an der Lise-Meitner-Schule Moordeich

Pennälern den sicheren Umgang mit Medien zeigen ist nur ein Schwerpunkt der Medientage. Eine Woche lang war Präventionsexperte Patrick Ehnis in Moordeich am Start. Dabei haben nicht nur die Schülerinnen und Schüler so einiges gelernt.

Von Redakteur Andreas Hapke, Kreiszeitung Syke (9.02.2022)

Moordeich – Brawl Star ist ein Ballerspiel, so ähnlich wie Fortnite, behauptet Patrick Ehnis. Er ist Fachberater für Suchtprävention bei release, dem Netzwerk psychosozialer Hilfen. Sofort regt sich Widerstand in der Klasse 6a des Realschulzweigs an der KGS Moordeich. Bei Brawl Star werde doch mit bunten Kugeln geschossen, während Fornite wesentlich realistischer sei „mehr mit Blut“. Damit ist klar: Einige Schüler kennen auch Fornite, dessen empfohlene Altersfreigabe je nach Land und Spielmodus unterschiedlich ist. Sie beginnt aber bei zwölf Jahren, und so alt sind die Sechst­klässler noch nicht. Gaming ist nur ein Aspekt der Medientage, die zurzeit für die fünften und sechsten Jahrgänge an der Lise-Meitner-Schule laufen. Ein Tag von 8 bis 13.25 Uhr pro Klasse und damit elf Tage insgesamt. Nicht nur die Kinder bilden sich bei dieser Gelegenheit fort. In Vorbereitung des Projekts hatte Ehnis nach eigener Auskunft über die Niedersächsische Landesstel­le für Suchtfragen eine Fortbildung zum Thema „Chancen und Grenzen der Mediennutzung“, absolviert.

Ehnis verweist auf verschiedene Studien, wonach die Corona-Krise zu einer deutlich höheren Nutzung digitaler Medien geführt hat. Das war ein Anlass zu sagen: Wir machen etwas zu dem Thema.“ Möglichst präventiv, bevor es im Alltag der Kleinen eine Rolle spielt. Beispiel Jahrgang fünf. „Es ist immer noch häufiger so, dass die Kinder beim Übergang zur weiterführenden Schule ihr erstes Handy bekommen“, sagt Ehnis. Deshalb standen für diese Altersgruppe Chat-Regeln und Mobbing auf dem Programm. In den sechsten Klassen ging es um Social Media wie Instagram und Youtube sowie Gefahren im Netz und Regeln beim Gaming.

Trotz mitunter langer Schultage verbringen viele Kinder noch reichlich Zeit an digitalen Endgeräten. Dies geht aus einer Selbstauskunft der Schüler zu Tagesbeginn hervor. Die meisten aus der RS6a gaben gestern an, am Vortag ein bis zwei Stunden auf Social Media oder Gaming verwendet zu haben. Bei einigen waren es sogar zwei bis drei oder- vereinzelt – mehr als drei Stunden. Klassenlehrerin Marion Krögen findet das „heftig. Die hatten bei mir am Montag noch siebte und achte Stunde.“ Im Rollenspiel kommt heraus: Wären sie selbst Eltern eines achtjährigen Kindes, würden die Schüler ihm durchaus Grenzen auferlegen. Ein Smartphone würde es erst ab der fünften Klasse geben. Online-Spiele mit Fremden wären verboten und technische Sperren kämen ebenso infrage wie Alters- und Zeitbegrenzungen. „Nur bestimmte Spiele spielen sowie Spiele selber spielen und dann entscheiden“, lauten weitere Vorschläge. „Jeder sollte so viel spielen, wie er will“ war eine Einzelmeinung.

Einige Schüler wüssten es von zu Hause aus, andere spürten es aber auch „innerlich“, dass ihnen ein ausgiebiger Medienkonsum nicht guttun würde, so Ehnis. „In der Rolle des Erwachsenen habt ihr überlegt, wie ihr euer Kind schützen würdet. Wenn eure Eltern das machen, dann nicht, um euch zu ärgern, sondern weil sie sich Sorgen machen um euch“, stellt Ehnis fest. Während der Medientage registrierte er einen Zusammenhang zwischen der von den Schülern angegebenen Mediennutzung und ihrer Aufmerksamkeit im Unterricht. Nur vereinzelt hätten die Fünftklässler der KGS Moordeich noch kein Handy. „Doch das thematisieren wir nicht, weil sie darunter leiden keines zu besitzen.“

Thematisiert hat Ehnis hingegen den Umgang der Kinder mit sensiblen Daten auf Social-Media-Plattformen. Welche Informationen würden sie allen zugänglich machen? Dazu nannten die Kinder unter anderem Hobbys, Musikgeschmack und Lieblingsfarbe sowie Fotos von der Natur und von Tieren. Nur Freunden würden sie ihr Geburtsdatum, ihre Adresse, Telefonnummer und Selfies zeigen. Unter anderem Bankdaten, Handynummer, Passwörter, Infos über Konflikte und Gehalt hätten in diesen Kanälen nichts zu suchen. Unschlüssig waren die Schüler, wo sie ihre politische Einstellung verorten würden. Außerdem erfuhren die Kinder anhand eines Filmes über Brawl Star, dass sie von den Spieleherstellern instrumentalisiert werden. „Ihr holt euch dort Tipps, doch auf der anderen Seite sorgt ihr für Werbeeinnahmen. Das muss euch klar sein.“ Die meisten in der Klasse kannten Brawl Star, bei dem sich die Spieler alleine oder in Teams in unterschiedlichen Modi bekämpfen und dabei die Fähigkeiten der sogenannten Brawler nutzen, also der Spielfiguren.

Dass sich der Nachwuchs auch gegenseitig beim Spielen zusieht, begründete dieser mit: „Weil es Spaß macht“ und „Weil lustige Szenen dabei sind“. Nina Conrad, didaktische Leiterin der KGS, wundert sich, worin da die Faszination liegt“. Die Kooperation mit dem in Brinkum ansässigen Verein release bezeichnet sie als gewinnbringend“. Auch wegen der kurzen Wege zu Besprechungen.

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