Damit das Internet nicht zur Droge wird

09.Juli 2014

Ein Artikel von Claudia Ihmels: Weser-Kurier: Lokalnachrichten

Foto: Udo Meissner

Beim Thema Sucht fallen einem meist Alkohol und Drogen zuerst ein. Doch auch das Internet, Computer und Smartphones können süchtig machen. Ein neues Projekt von Release, Caritas und dem Kirchenkreis Diepholz widmet sich deshalb der Prävention von Medienabhängigkeit. Die Zielgruppe sind vor allem Kinder und Jugendliche.

Landkreis Diepholz. Die Mediennutzung hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Das Internet spielt eine immer größere Rolle, durch Geräte wie Smartphones kann man dauerhaft online sein. „Einerseits muss man den Umgang damit lernen“, sagt Michael Elsner, bei Release (Netzwerk psychosoziale Hilfen) zuständig für den Bereich Prävention. Andererseits gebe es Menschen, die eben das nicht hinbekommen.
Um zu verhindern, das gerade junge Menschen eine Mediensucht entwickeln, arbeiten Release, die Caritas und der Kirchenkreis Diepholz gerade an einem Präventionskonzept. Finanziert werden soll es vom Landkreis Diepholz im Rahmen der Förderung der Arbeit der Fachstellen für Sucht und Suchtprävention. Der Ausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales hat bereits darüber beraten, die endgültige Entscheidung fällt laut Elsner im Oktober der Kreistag. Er geht deshalb davon aus, dass im kommenden Jahr mit der Umsetzung gestartet werden kann. Im Nordkreis Diepholz wird dann hauptsächlich Release der Ansprechpartner vor Ort sein.
„Bei Alkohol kann man sagen, man trinkt halt nicht mehr. Beim Internet ist das nicht so einfach“, beschreibt Elsner die Problematik. Ganz ohne Internet gehe es eben nicht mehr, das betreffe auch schon die Schule. Außerdem biete die digitale Welt ja auch große Chancen, aber man müsse eben vorsichtig sein. Doch nicht jeder, der viel Zeit vor dem Computer verbringt oder am Smartphone herumspielt, sei gleich süchtig.

„Sucht ist, wenn ich mich aus anderen Aktivitäten zurückziehe und nur noch in der virtuellen Welt unterwegs bin“, so der Fachmann weiter. Das sei zum Beispiel bei einem Jungen der Fall, der nicht mehr zum Fußballtraining fährt, um Computer zu spielen. Oder wenn die schulischen Leistungen nachlassen, weil sich alles nur noch um das virtuelle Geschehen dreht. Jungen würden sich eher Computerspielen widmen, Mädchen sozialen Netzwerken. „Man ist dann ständig in der Community“, sagt Elsner.
Aktuell werde noch über die Kriterien für eine genaue Diagnose für Mediensucht diskutiert. Dass es sich dabei aber um eine Sucht handelt, steht für Elsner außer Frage. Die Betroffenen würden bei einem Entzug schließlich auch körperliche Erscheinungen zeigen, ähnlich denen anderer Süchte. „Unruhe, Schweißausbrüche, Aggression“, zählt der Release-Mitarbeiter auf.

Meistens würden ihn die Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen anrufen. Viele Eltern wüssten aber gar nicht, „wie das funktioniert“. Die Entwicklungsprozesse seien ja auch rasant. Bei der Umsetzung des Präventionskonzeptes sollen deshalb nicht nur die eventuell Gefährdeten eingebunden werden, sondern auch deren Eltern. Elsner schweben zum Beispiel Projekte an den Schulen vor, zu denen parallel auch Informationsabende für die Eltern angeboten werden. „Wir wollen für das Thema sensibel machen. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen toll mit den Medien umgehen, sollen sie die Risiken erkennen und bewerten können“, sagt er.

Wichtig ist ihm auch, dass das Projekt über mehrere Jahre läuft, damit es sich richtig verfestigen kann. Los gehen soll es mit einer öffentlichkeitswirksamen Auftaktveranstaltung und einem Fachtag. Direkt im Anschluss wolle man dann Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufnehmen. Und das geht laut Elsner am besten über die Schulen. „Wahrscheinlich können wir im Sommer 2015 die ersten Termine machen“, sagt er. Tipps für Eltern hat er aber bereits jetzt parat: „Im Umgang mit Medien sind Grenzen genauso wichtig wie bei anderen Dingen.“ Doch sei es in dem Bereich „unendlich schwieriger“, diese auch einzuhalten. Man dürfe den Nachwuchs aber nicht damit in Ruhe lassen. Wichtig sei, dass die Eltern eine Haltung zu dem Thema haben und diese ihrem Kind auch deutlich machen.

Presse-Artikel Übersicht

Droge Internet 09-07-2014